Stand Up Paddling – Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Stehend über das Meer gleiten – Ein Traum direkt ‘vor unserer Haustür’

Aus der Ferne habe ich die Stand Up Paddler schon ab und zu beobachtet, doch niemals hätte ich mir vorstellen können, selbst auch auf so einem Bett auf dem Meer zu paddeln. Aber man soll ja “niemals nie sagen” und so bin ich über mich selbst erstaunt, als ich mich gemeinsam mit unserer Kursleiterin Bitsy Hönscheid und drei weiteren „Paddelanfängern“ (Laura, Amy und Kai- Uwe) am Sylter Strand wieder finde.
Normalerweise bekommt jeder Teilnehmer einen Neopren-Anzug gestellt, doch heute ist es so heiß, dass wir darauf lieber verzichten.

Surfbretter reizten mich bisher weniger bis gar nicht, mein einziger Kontakt mit einem Board ist lange her, und da stand ich nicht drauf, sondern kollidierte mit einem Exemplar. „Das kann ja heiter werden“, denke ich somit, als ich, bewaffnet mit einem großen, breiten Surfbrett und einem Paddel gemeinsam mit den anderen in Richtung Flutsaum marschiere.

SUP Bild 1 Coach Bitsy Hönscheid Stand Up Paddling   Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Erste Einweisungen an Land von Bitsy Hönscheid

Bitsy “füttert” uns zunächst mit ein paar Anweisungen und testet, mit welchem Fuß man automatisch als erstes auftritt, wenn man plötzlich geschubst wird. Ich fange mich mit dem linken Bein ab, das rechte bleibt somit vorn. „Dein rechter Fuß ist vorn, somit bist du ein ‚Goofy‘“, erfahre ich. „Das Gegenstück dazu heißt ,Regular‘.“ Als Goofy muss ich mir nun das Verbindungsband (die „leach“) zum Board an meinem linken Knöchel befestigen, damit ich es nicht unterwegs verlieren kann und dann geht es auch schon unter den Blicken der vielen Strandbesucher ab ins Wasser.

SUP Bild 2 Stand Up Paddling   Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Goofy oder Regular?

Zunächst knien wir auf dem Brett und kommen mittels Paddel relativ gut voran. Ich fühle mich schon richtig als Held, schau mich allerdings verwundert um, als Kai-Uwe ruft: „Mensch, die anderen stehen ja schon! Wie machen die das?“ Ich habe keine Ahnung, wie die Mädels das so schnell schaffen, versuche aber ebenfalls mein Glück. „Du musst dich weiter hinten auf das Brett stellen!“, ruft unser Coach. Ich versuche es, doch eine unsichtbare Hand scheint an meinem Board zu wackeln, ich kann es einfach nicht ausgleichen und eh ich mich versehe, kippe ich ins Meer. Da ich die Wassertiefe unterschätze, taucht mein Kopf unter Wasser und ich verliere kurz die Orientierung.

Nach einer Schrecksekunde realisiere ich zwei Dinge gleichzeitig: Das Surfbrett kann nicht weg, es ist ja an meinem Goofybein festgebunden, doch meine Sonnenbrille verabschiedet sich gerade zu einem Tauchausflug. Instinktiv greife ich nach meinem ständigen Begleiter, wobei ich das Paddel weiterhin mit der anderen Hand fest umklammere.

Glücklich, beides noch an der Frau zu haben, rutsche ich erneut auf das große Brett, diesmal aber weiter hinten. Ich knie zunächst, doch dann steh ich auf, wie ein Kleinkind, das laufen lernt. Füße und Hände sind auf dem Board, der Po ist noch in der Luft. Ganz langsam übernimmt mein Kopf die höchste Position. Meine Beine zittern leicht, doch ich bin fest entschlossen, meine Brille nicht noch einmal im Wasser einzufangen und versuche, trotz des Wackelwassers das Gewicht in die Körpermitte zu konzentrieren.

„Gleich weiter paddeln und keine Panik!“, ruft Bitsy mir zu. Hinter mir klatscht es zweimal, Amy ist ins Wasser gefallen und kurz darauf Kai-Uwe. Laura dagegen sieht immer noch aus wie gemalt und hat als einzige keinen Tropfen Salzwasser in den Haaren. Amy steht im nächsten Moment auch wieder aufrecht, doch Kai-Uwe kämpft noch ein wenig. Er paddelt ziemlich schnell ´auf Strecke´, aber nur, solange er kniet. Mehrmals fällt er ins Wasser, doch wenigstens braucht er keinen Verlust der Sonnenbrille zu befürchten, er hat seine schlauerweise an einem Stretchband befestigt.

SUP Bild 7 zurück an Land Stand Up Paddling   Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Die beiden Mädels sind schon ziemlich sicher auf den Brettern.

Meine Beine haben inzwischen aufgehört zu zittern, ich stehe relativ sicher und schaffe es nach diversen Anweisungen von Bitsy immer häufiger, dass mein Brett in die Richtung fährt, die ich mir vorgestellt habe. Nun gut, jedes Mal klappt es nicht, aber ganz schön oft. Amy plumpst noch mehrfach ins Wasser, lacht sich jedes Mal schlapp und schafft es trotzdem, in Windeseile wieder auf ihrem Brett zu stehen. Schließlich fällt auch Laura einmal ins Meer, kommentiert den Vorfall aber wie ein Profi: „Okay, das war ein Versehen, aber ein kühles Bad tat mir ja auch ganz gut.“
Die beiden Mädels sind genauso begeistert bei der Sache wie ich; wenn man erst einmal richtig steht, macht es unglaublichen Spaß.
Kai-Uwe gibt übrigens auch nicht auf – und er schafft es. „Ganz ruhig weiter machen, das sieht gut aus!“, ruft Bitsy ihm zu und schaut sich anschließend fix um, damit sie keinen ihrer Schützlinge aus den Augen verliert.

SUP Bild 3 Kai Uwe Stand Up Paddling   Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Kai-Uwe beim Stand Up Paddling

„Mann ist das geil!“, ruft der männliche Part unserer Truppe und wir stimmen ihm zu. Bitsy lacht: „Ihr seid echt klasse! Alle stehen und alle können dabei sogar reden!“
Gemeinsam genießen wir den Wasserausflug, allerdings sorgt der ablandige Wind dafür, dass wir uns ganz schön anstrengen müssen, immer in Strandnähe zu bleiben. „Das macht nicht nur Spaß, das ist auch ein tolles Training für Arme und Beine“, überlege ich laut.
„Nicht nur das“, ergänzt Coach Bitsy. Hier wird wirklich der ganze Körper trainiert und gleichzeitig ja auch noch der Gleichgewichtssinn.“
Und der Kopf wird frei, ergänze ich in Gedanken. Einfach großartig!

Dann darf ich allein an Land paddeln, um meinen Fotoapparat zu holen, doch ich spüre Bitsys Kontrollblick ganz deutlich im Rücken und da höre ich sie auch schon rufen: „Weiter nach links! Und pass gut auf die Leute auf!“
Ich passe sogar sehr gut auf, fahre weder irgendwelche Schwimmer um, noch kollidiere ich mit den Buhnen, auf die sie mich sehr eindringlich aufmerksam gemacht hat.
Mit der Kamera in der Hand wate ich den anderen dann im Wasser entgegen, knipse meine Sportskameraden und bedaure wirklich extrem, dass die Zeit schon vorbei ist. Jetzt kann ich es ja sagen: Vorher habe ich gedacht: ´Ui, das werden sicher zwei lange, harte Stunden.`

SUP Bild 6 die Gruppe Stand Up Paddling   Ein Erfahrungsbericht von Bettina Dethloff

Der Schnupperkurs ist beendet, aber die Lust auf viele weitere Stunden auf dem Wasser ist geweckt!

Und jetzt hätte ich doch tatsächlich nur zu gern noch ein wenig weiter gemacht und überlege schon, mit wem ich denn in naher Zukunft mal auf das Wasser gehen könnte…

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Michaela

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