Sightseeing per Fahrrad – ein Erlebnisbericht

Diesen Erfahrungsbericht haben wir gerade beim Stöbern der TV Sylt (Ausgabe 11/14) entdeckt und möchten ihn euch mit dem freundlichen Einverständnis der Autorin Bettina Dethloff nicht vorenthalten:

Am Ostermontag begann auf unserer Insel offiziell die Fahrradsaison. An diesem Tag bot der Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) nämlich die erste geführte Fahrradtour des Jahres an. “Friesendörfer entdecken”, so lautet das Motto, Start und Ziel am Dorfhotel Sylt in Rantum.

Ich plane, einen Erlebnisbericht zu schreiben und frag erstmal vorsichtig, wie sportlich man dafür sein müsse. Die freundliche Mitarbeiterin vom ISTS antwortet entspannt: “Sie fahren rund 35 Kilometer, aber keine Sorge, es gibt auch Pausen. Das schaffen Sie schon!”
Naja, kommt auf den Wind an, kommentiere ich in Gedanken. Meinen Fitnesslevel schätze ich momentan auf  “nur so mittel” und vorsichtshalber fahre ich die sieben Kilometer zu meiner Mutter nach Rantum die nächsten Male mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto. Bisschen Training kann ja nicht schaden… Ostermontag bleibt uns Regen freundlicherweise erspart, aber es ist windig. Als wir unsere Räder, Helme, Trinkflaschen und Energieriegel in Empfang nehmen, ruft eine bekannte Stimme: “Oh hallooo! Bist du auch dabei?” Die Stimme gehört zum Fotografen George Supanz, eine große Kamera um den Hals baumelnd und den Helm verkehrt herum auf dem Kopf macht er einige Witzchen. Unser Tour- Guide Britta Hönscheid, genannt Bitsy, runzelt die Stirn, enthält sich aber eines Kommentars und führt uns auf den Deich.

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Foto: Georg Supanz

Ja, und da werden meine Befürchtungen Wirklichkeit: Wir fahren die ersten Kilometer stramm gegen den Wind, er übertönt unsere Gespräche, die mangels Puste aber eh bald ausbleiben. Meine Kapuze flattert im Wind wie ein Fallschirm und ich überlege, wie sehr dies dumme Teil mein Fahrtempo wohl mindert… Dennoch, die Strecke ist total schön und ich nehme mir trotz der Anstrengung vor, hierher demnächst einen Familienausflug zu machen. An einem windstillen Tag.
Als wir an der Wegbiegung des Deiches in Richtung Osten ankommen, geht es durch ein Schafgatter hindurch und zu einer Anzeigentafel, wo Bitsy uns die Route erklärt. Unter den 12 Radfahrern sind übrigens auch Bianca und Peter Schließmann, genannt: “Die Urlaubsfamilie”, welche unter knapp 850 Bewerbern eine Woche Sylturlaub gewonnen hat. Die kleinen Söhne Theo und Felix sind derweil mit Biancas Eltern im Schwimmbad. Familie Schließmann fungiert zudem als Inselbotschafter, die Ferienwoche ist voll gepackt mit tollen Erlebnis -Terminen darunter auch zahlreiche Outdoorveranstaltungen. Wie ich erfahre, ist der Fitnesslevel dieser Familie jedoch etwas höher als mittelsportlich und so schaffen sie es locker, in jeder Lage fröhlich in die Kamera zu lächeln.
Vom Guide gibt es immer, wenn wir irgendwo kurz halten, interessante Infos zur Insel: “Das Rantumbecken wurde durch den Bau eines Deiches abgegrenzt, weil es der Wehrmacht als Flughafen für Wasserflugzeuge dienen sollte. Heute ist es ein Seevogelschutzgebiet. Der Weg einmal ´rund um´s Becken´ ist zehn Kilometer lang. – Dazu ein paar Zahlen zur Insel: Sylt hat rund 22.000 Einwohner und 60.000 Gästebetten,  850 000 Touristen reisen jedes Jahr an.” Sie grinst: “Und die Insel hat 250 km Radwege.”

Dann führt Bitsy uns einen wundervollen Deichweg entlang in Richtung Keitum, rechts liegt das Watt, links befinden sich die grasenden Schafe und der Deich, der uns vor dem Wind schützt- nun haben alle wieder genügend Puste, um drauflos zu schnacken.

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Foto: Georg Supanz

Durch die Wiesen geht es in den Ort hinein, wo wir uns an der “Kleinen Teestube” eine wohlverdiente Pause gönnen. Alle außer Bianca und Peter, die beiden kriegen wieder einmal ´Order`: “Guck mal da rüber zu den Blumen!” ruft der Fotograf. “Und nun dort zur Pforte! Gut, und jetzt verliebt angucken!” Sie nehmen es mit Humor, Peter witzelt: “Nach dieser Woche werden wir mit einem Dauergrinsen durch die Gegend laufen.” Bevor wir uns wiederum auf die Sättel schwingen, gibt es noch ein paar charmante Worte zu den östlichsten Dörfern, Bitsy erklärt: “Archsum wird das Troja des Nordens genannt, weil Archäologen dort Zeugnisse aus der Steinzeit fanden, sowie ein Dorf, das zwischen 700 und 1000 n. Chr. bestanden hat. Und Morsum ist dort, wo der Zug auf der Insel das erste Mal stehen bleibt.”

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Foto: Georg Supanz

Der nächste kurze Stopp ist am Hünengrab Harhoog am Rande des Watts, die unterirdische Grabkammer ist allerdings nicht begehbar und so wird es fix wieder sportlich.
Wir fahren an der St. Severin Kirche vorbei nach Munkmarsch, bis zum privaten Yachthafen, der vor dem Bau des Hindenburgdammes als wichtigster Fährhafen der Insel galt, denn an dieser Stelle machten früher die Fähren und die Versorgungsschiffe vom Festland fest. Von hier aus bis nach Braderup sieht man an der Küste das Weiße Kliff, es wird so genannt, weil die Abbruchkante aus weißem Kaolinensand besteht. Unser fröhlicher Guide gibt zwischendurch immer mal wieder eine kleine Sage zum Besten und es entbrennt eine Diskussion, ob der Geist des berühmten “Pidder Lüng” noch immer sein Unwesen im Wattenmehr treibt. Doch die Münder sind bald wieder still, denn in Richtung Braderup müssen wir fester in die Pedalen treten, es geht leicht bergauf. Wir radeln am Bauernhof-Kindergarten vorbei, dann am Golfplatz, werfen einen Blick nach links auf den Flughafen und fahren über die Brücke der L24 und schließlich nach Wenningstedt.

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Foto: Georg Supanz

Die ganze Zeit über habe ich Sorge, dass wir Fotograf Georgie heil nach Hause bekommen, denn er fährt ständig “im Affentempo” vor, schießt Fotos vom Ehepaar Schließmann, deren Attraktivität durch Wind, Sonne und Helm beneidenswerterweise keinen Schaden nimmt, und kommt wieder hinter uns her gerast. Während wir anderen entspannt den Fahrradweg längs der Dünen in Richtung Norden radeln, knallt die Sonne vom Himmel und ich bin froh, dass ich mir in Keitum noch schnell Sonnencreme auf Wangen und Nase geschmiert habe – es reicht ja, wenn ich morgen Muskelkater habe, wer braucht dazu noch Sonnenbrand?

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Foto: Georg Supanz

Die letzten Kilometer bis Rantum kommen mir dann vor wie ein Katzensprung, beim ´Training´ fand ich diese Strecke sehr viel anstrengender. Kein Wunder, heute fahre ich nicht mit dem eigenen Rad, sondern bin auf einem dieser tollen Rose-Bikes unterwegs, das hochwertige Leihfahrrad erleichtert die Tour enorm. Kurzweilig wird die Fahrt aber auch durch die angeregten Gespräche mit den Weggefährten und die vielen ´Insel- Infos´ von Britta Hönscheid.

Zusammenfassend sei gesagt: Diese Bike- Tour ist einfach klasse, nicht nur für Feriengäste, sondern auch für uns Sylter. Ich hab´ unterwegs wirklich oft gedacht: Wahnsinn, wie schön die Insel doch ist!
Ach ja, und zum Fitness-Level: Ich geb´ zu, meine Muskeln sind ein wenig lahm, während ich dies hier schreibe. Aber nicht allzu schlimm. Man muss also nicht top durchtrainiert sein, um den Ausflug durchzuhalten. Als Voraussetzung reicht der sportliche Status: “So mittel”.

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Michaela

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