Kurort mit Kultur – Die Sylter Eigenarten

„Wü bliiv truu Söl’ring Liren!“ heißt es in der offiziellen Hymne Sylts. „Wir bleiben treue Sylter Leute“, so die deutsche Übersetzung für all diejenigen, welche den nordfriesischen Dialekt Söl’Ring lediglich als Kauderwelsch wahrnehmen. Sylt ist seit mehr als einem Jahrhundert ein äußerst populäres Urlaubsziel. Nicht nur, weil sich die größte Insel vor der Nordseeküste dank ursprünglicher Natur und einer hohen Dichte gastronomischer Angebote mit erstklassigen Restaurants zu einem touristisch bedeutsamen Kurort entwickelte. Nein, insbesondere die Eigenheiten der nordfriesischen Landschaft und Kultur machen den Besuch in Sylt zu einem einmaligen Erlebnis. Sandstrand und Michelin-Sterne sind schließlich nicht alles.

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„Kumt Riin, Kumt Senenskiin“ – „Kommt Regen, kommt Sonnenschein“

Wer Sylt als Urlaubsziel bucht, hat vermutlich Badeurlaub und Strandspaziergang unter der Sonne im Sinn – die meisten Besucher tummeln sich daher zur Hochzeit im Sommer an den friesischen Stränden. Die Eigenheiten Sylts offenbaren sich allerdings auch dank der klimatischen Verhältnisse. Strandspaziergänge bei Wind und Wetter haben eben ihren ganz eigenen Charme – das wissen die Inselbewohner, die in den Wintermonaten weitaus weniger Touristen zu Gesicht bekommen, am besten. Besonders beliebt sind auch die Wattwanderungen, welche Besuchern ermöglichen, den bei Niedrigwasser freiliegenden Meeresboden mit nackten Füßen zu erleben. Mit ein wenig Glück sind dabei neben Krabben, Würmern und anderen Meeresbewohnern auch Seehunde in freier Wildbahn zu sehen. Baden in der Nordsee gehört ebenfalls zu den traditionellen Bräuchen – echte Friesen wagen daher auch im eisigen Winter den Sprung in die Fluten. Weihnachtsbaden im Westerland bezeichnet dabei den Höhepunkt, zu dem sich hunderte Menschen versammeln.

„Tö Söl’ wü hual“ – „Zu Sylt halten wir“

Nicht nur die Sprache wollen die Inselbewohner Sylts erhalten. Nahezu alle der verbliebenen Friesenhäuser stehen heute unter Denkmalschutz und gewähren den Touristen einen Ausblick auf das urfriesische Landleben. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts galt Keitum dabei als Hauptort der friesischen Insel und ist für viele Besucher der zweifelsohne sehenswerteste Teil Sylts, der diese in ein gänzlich anderes Zeitalter versetzt. Auch zeigt sich hier noch die Kargheit der Insel, welche für einen zuweilen melancholischen und nicht minder romantischen Anblick sorgt, welchen so definitiv nur wenige Urlaubsziele am Strand zu bieten haben. Das lädt auch zum wohlverdienten Abschalten ein. Kein Wunder also, dass die Sylter Flora und Fauna sowie markante Bauwerke früherer Zeiten erhalten und so Touristen zu jeder Jahreszeit locken.

„Di Söl’ring Spraak auriit wü ek“ – „Die Sylter Sprache vergessen wir nicht“

Tradition liegt den Syltern am Herzen. Traditionsreich ist vor allem die Sprache mit ihren insgesamt zehn Hauptdialekten. Bereits seit der ersten Einwanderungswelle, die bis auf das Jahr 800 zurückreicht, haben die sylterfriesischen Mundarten einen besonderen Stellenwert bei den Bewohnern und Söl’Ring hielt sich im Gegensatz zu anderen Dialekten gar bis in das 20. Jahrhundert hinein. Heute wird jene Mundart nur noch von einigen hundert Menschen gesprochen – doch daran ändert auch der florierende Tourismus und die damit einhergehende Dominanz der deutschen Sprache nichts. Gefördert wird diese Tradition seit 2004 sogar durch ein Gesetz zur Förderung des Friesischen im öffentlichen Raum. Der sprachlichen Eigenheit Sylts begegnen Besucher daher überall auf der Insel – und somit dürfen Touristen Sylt aus vielerlei Gründen nicht nur als Strandurlaub, sondern auch als Kultururlaub verbuchen.

Kulinarische Spezialitäten gibt es auch…

Es versteht sich von selbst, dass auf Sylt an kulinarischer Front vor allem verschiedene Meeresspezialitäten auf dem Tisch landen. Die nordfriesische Gastronomie bietet Urlaubern eine Vielfalt an Meeresgetier – und dazu natürlich auch Sylter Spezialitäten. Wo vor einigen Jahrhunderten noch Grütze und Bier wesentliche Bestandteile der Mahlzeiten darstellten, glänzen die Restaurants der Frieseninsel, mehr als eine Hand voll davon mit dem prestige-reichen Michelin-Stern ausgezeichnet, mit Spezialitäten wie Deichlamm und Angeldorsch. Luxuriös angerichtete Fischgerichte und Meeresfrüchte, aber auch bodenständige Kost wie frisch aus dem Meer gefischte Krabben und das Seemannsgericht Labskaus stehen bei den Urlaubern hoch im Kurs. Traditionell zubereitet wie schon vor über hundert Jahren dürfen sich Besucher auch die berühmten „Friesenkekse“ nicht entgehen lassen – nicht nur zu Weihnachten ist das köstliche Mürbegebäck ein Renner.

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Veröffentlicht unter TYPISCH SYLT